Erzähler: Samstag, dritter August 2024. Ein später Sommertag im Süden Frankreichs. Die Sonne brannte über den staubigen Straßen, während halb Südfrankreich sich in stickiger Hitze an den Küstenstränden oder im Schatten alter Platanen drängte.
Noch immer war das große Waldbrandunglück der Vorwoche Gesprächsthema in den Dörfern. Ein Feuer, das beinahe die Weinberge verschlungen hätte, bevor es durch tagelange Löschflüge unter Kontrolle gebracht wurde. Die Bevölkerung war nervös, die Einsatzkräfte erschöpft.
Niemand bei der Gendarmerie Nationale rechnete damit, an diesem Wochenende mehr als Routinekontrollen zu fahren. Doch dann sollte ein Anruf in der Zentrale das komplette Wochenende der Gendarmen auf den Kopf stellen.
Erzähler: Brigadier Girard, ein Mann Anfang fünfzig, das Gesicht von Sonne und Nikotin gegerbt, führte das Steuer mit fester Hand. Neben ihm saß Adjutantin Bonnet, deutlich jünger, ehrgeizig, aber mit gespannter Miene.
Mademoiselle Bonnet: „Ausgerechnet die Familie Bouchard, Frankreichs Parfüm-Dynastie. Wenn das rauskommt, Monsieur Girard, dann…“
Monsieur Girard: „Dann haben wir in drei Stunden die halbe Presse aus Paris hier. Und wenn’s kein Unfall war, sondern Mord, dann wird es sehr hässlich.“
Erzähler: Die Fahrt führte sie tiefer in die Isolation. Die Landschaft veränderte sich, sanfte Hügel wichen einem undurchdringlichen Wald aus Zypressen und Steineichen.
Plötzlich riss der Wald auf. Vor ihnen lag das Anwesen Cœur de Neige. Was die Gendarmen zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Inzwischen war eine zweite Leiche im Anwesen aufgetaucht.