Von: Hanna Dreyer (Kriminalhauptkommissarin)

An: Ermittlungsteam

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

Danke für Ihre tatkräftige Unterstützung im Fall Agneta Hellwig!
Wie Sie treffsicher ermittelt haben, ist Frau Hellwig eine höchst ambivalente Persönlichkeit.
Der Erstverdacht sowie die Eindrücke aus der Nachbarschaft zeichnen das Bild einer liebenswerten, gutgläubigen, etwas naiven, alten Dame. Die Gastgeberin des Dinner scheint das perfekte Opfer für Erbschleicher und Opportunisten zu sein: alleinstehend, reich, alt, ohne Familie und mehr als großzügig gegenüber ihren vermeintlichen Freunden.
Ihre scheinbar beste Freundin, Constanze Bender-Beckmann, ließ sich und ihren Mann auf teure Veranstaltungen und Reisen einladen und laut Aussage einer Nachbarin ließ sie sich sogar ein Haus auf Agnetas Kosten in der Nachbarschaft bauen.
Mayari Schumann, eingestellt als persönlicher Coach für Kunst und ferner auch für die Betreuung von Agnetas Instapic-Account zuständig, ließ sich Designer-Klamotten und teure Gegenstände aus Galerien schenken. Angeblich tyrannisierte sie die alte Dame zu später Stunde und trieb sie zu immer wilder werdenden Proben und anstrengenden Veranstaltungen.
Silvan Rothe, der anfangs nur ein altes, schrottiges Auto fuhr, ist inzwischen mit einem schicken Sportwagen ausgestattet, führt eine luxuriös ausgestattete Privatpraxis als Ergotherapeut, arbeitet nur noch an zwei Tagen pro Woche und trägt edle Kleidung und teure Uhren.

Im Laufe der Ermittlungen wurde mit Ihrer Hilfe aufgedeckt, dass es nicht nur Todesdrohungen gegen Agneta Hellwig gab, sondern dass diese von ihrer besten Freundin Constanze und deren Mann Johannes geschrieben wurden. In der Altpapiertonne der Bender-Beckmanns lag ein Spendenflyer, auf dem Constanze Sätze vorformulierte, die später bei Instapic unter dem Pseudonym alpha phantom rex auftauchen.
Todesdrohungen, welche sie gleichzeitig mit ihren echten Instapic-Accounts (johnny_boy1954 und cococonny1956) verteidigten.

Verdächtig? Ja, zumindest bis zu jenem Moment, wo Sie im Schreibtisch der alten Dame einige Briefe entdeckten.
Und spätestens hier kippt das Bild der liebreizenden, alten Dame.
Einer dieser Briefe belegt zweifelsfrei, dass Frau Bender-Beckmann von Frau Hellwig zu jener Aktion angestiftet worden war.

Das Smartphone, das im Badezimmer gefunden wurde, kann aufgrund des Stickers zweifelsfrei Annouka Satorius zugeordnet werden. Dieselbe Katze klebt an ihrem Klingelschild. Der Chatverlauf auf dem Smartphone berichtet von identischen Notizen, die von der Haushälterin gefunden wurden. Eine dieser Notizen konnte auch während der Ermittlungen im Atelier der alten Dame sichergestellt werden.
Auf Anraten ihres Liebhabers informierte Frau Satorius alle  betroffenen Personen, dass sie bewusst getäuscht wurden.

Nachdem Sie die verschlampte toxische Analyse erneut aus Doktor Riegels Labor abgeholt hatten, konnte schnell ein Objekt ausfindig gemacht werden, an dem Reste eines tödlichen Toxins festgestellt wurden. Die Tatwaffe war demnach ein Wasserglas, das Agneta während ihrer Vorstellung austrank. Der Erstverdacht legte sich auf Frau Schumann, die bei der Befragung eines Ermittlers zugab, dieses Glas auf dem Klavier platziert zu haben. 

Durch den Fund der SD-Karte in einem Buch in Agnetas Haus wurde schließlich aufgedeckt, dass sich im Halsband der Katze eine Kamera befand. Es sollte sich herausstellen, dass die Katzen-Kamera am Tatabend wichtige Indizien aufgezeichnet hatte.
Frau Hellwigs Katze konnte schließlich im Bremerburger Tierheim ausfindig gemacht werden und so war der Zugriff auf das Videomaterial der Katzen-Kamera hergestellt.
4 Personen waren darin zu sehen, die allesamt mit weißem Pulver in einem kleinen Reagenzglas an besagtem Wasserglas herumhantierten:

  1. Mayari Schumann – erkennbar am Lippenstift, den sie auf dem Flügel ablegt und den sie auch während des Verhörs an der Haustür benutzte.
  2. Johannes Beckmann – erkennbar am Siegelring, den er auch auf einem der Tatabend-Fotos trug, als er neben seiner Frau am Flügel stand.
  3. Constanze Bender-Beckmann – entlarvt durch den Kratzer, den ihr Frau Hellwigs Katze zugefügt hatte. Sie trug auf einem der Bilder des Tatabends, ein Pflaster an jener Stelle. Auch die Handtasche, die im Badezimmer gefunden wurde, ist ihre. Darin befand sich ein Taschentuch, mit dem sie etwas Blut weggewischt hatte sowie Reste des Pflasters.

Alle drei Personen sind dabei zu sehen, wie sie eine gewisse Menge des Toxins in Frau Hellwigs Wasserglas kippten.

Frau Hellwigs Freunde hatten zweifellos einige Demütigungen ertragen müssen. Doch das Wissen darum, dass Frau Hellwig nie ernsthaft vor hatte, sie als Haupterben einzutragen, hatte sie wohl gemeinsam dazu gebracht, Agneta Hellwig zu vergiften. Sie hatten einen Plan ausgeheckt, bei dem jeder seinen Teil dazu beitragen sollte.

Doch wer war die vierte Person auf dem Video?
Eine Person zögerte und entschied sich schließlich dagegen, ihren Beitrag zu Frau Hellwigs Vergiftung zu leisten. Die Gastgeberin wurde zwar mit schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert, starb jedoch nicht. Laut der Blutuntersuchung überlebte Frau Hellwig einzig aufgrund der Tatsache, dass nur 30 mg statt der tödlichen Dosis von 40 mg verabreicht wurden.

Die vierte Person war also Silvan Rothe. Erkennbar an der goldenen Uhr, die er am Handgelenk trug. Dieselbe Uhr ist auf einer Rechnung abgebildet, die in Frau Hellwigs Haus gefunden wurde. Durch die Gravur “von deiner dich liebenden Mutter” konnte deduziert werden, dass diese Uhr ein Geschenk an Silvan war. Eine Anrede, welche Frau Hellwig auch auf dem Katzen-Video verwendete.

Warum Herr Rothe zögerte, kann nicht zweifelsfrei belegt werden. Fakt ist aber, dass Frau Hellwig ihm dadurch indirekt ihr Leben verdankt.

Somit konnten mit Ihrer Hilfe die Verdächtigen überführt werden. Die Haftbefehle wurden bereits ausgestellt.
Die Akte “Das Dinner” kann geschlossen werden.